mdVü

Lesen ist nicht Schreiben. Wer nur kurz eine Notiz nachschlagen, ein Dokument überfliegen oder eine .md-Datei ansehen will, die jemand geschickt hat, braucht keinen Editor mit Plugins, Vaults und Sync. Er braucht ein Programm, das sofort startet, die Datei zeigt und dann nicht weiter stört.

Genau dafür habe ich mdVü gebaut. Seit ein paar Tagen ist es als öffentliche Beta auf GitHub, und jetzt fehlt noch das Wichtigste: Leute, die es ausprobieren.

Ich nutze Obsidian sehr ausgiebig. Mein Haupt-Vault wächst und wächst und hat inzwischen über 5000 Seiten. Obsidian ist immer noch verdammt schnell für das, was es alles macht, aber der Programmstart dauert eine halbe Ewigkeit. Das ist sicherlich auch den vielen Plugins geschuldet. Wenn man nur schnell eine Notiz nachschauen will, ist das schon leicht nervig. Und vom Konzept her ist Obsidian auf den Umgang mit Vaults zugeschnitten und eine beliebige Markdown-Datei lässt sich nicht einfach öffnen.

Warum noch ein Markdown-Programm?

Die meisten Markdown-Werkzeuge sind Editoren, und viele davon bringen einen kompletten Webbrowser mit. Das ist zum Schreiben völlig in Ordnung, Obsidian, Typora und VS Code sind großartige Programme. Aber um eine Datei nur anzusehen, schleppen sie eine Menge Gewicht mit sich herum: Startzeit, Arbeitsspeicher, Hintergrundprozesse.

mdVü soll diese Programme nicht ersetzen, sondern ergänzen. Es ist das Werkzeug für den schnellen Blick: Doppelklick im Explorer, lesen, fertig.

Hauptfenster von mdVü: links Ordneransicht und Gliederung, rechts das Dokument

Klein, schnell und sparsam

  • Eine einzige EXE mit rund 15 MB. Kein Installer, kein .NET, keine Laufzeitumgebung, keine Browser-Engine. Datei irgendwohin kopieren und starten.
  • Nativ und schnell. mdVü ist eine echte Windows-Anwendung mit eigener Layout-Engine. Auch große Dokumente öffnen ohne spürbare Wartezeit.
  • Wenig Speicher. Ohne Chromium im Bauch braucht mdVü nur einen Bruchteil dessen, was browserbasierte Editoren belegen. Mit einer 300 KB großen Testdatei (gedruckt rund 70 Seiten) belegt mdVü laut Task-Manager gerade einmal 40,5 MB Arbeitsspeicher.

Das Herzstück: Drucken und PDF

Darauf bin ich am meisten stolz. Markdown sauber zu Papier zu bringen, ist erstaunlich oft ein Umweg über den Browser oder einen PDF-Druckertreiber, und das Ergebnis sieht selten gut aus.

In mdVü steht die Druckvorschau für ein hundertseitiges Dokument praktisch sofort. Breite Tabellen werden automatisch an die Seitenbreite angepasst, Seitenumbrüche vermeiden verwaiste Überschriften. Seit Version 0.9 gibt es eine Seiteneinrichtung direkt in der Vorschau: Drucker, Papierformat (A3 bis A6, Letter, Legal) und Hoch- oder Querformat. Vorschau, Ausdruck und PDF zeigen dabei immer exakt dasselbe.

Der PDF-Export erzeugt ein echtes Vektor-PDF mit markierbarem Text und einem Lesezeichenbaum aus den Überschriften des Dokuments, direkt aus dem Programm, ohne Umweg.

Was sonst noch drin ist

FormateGitHub-Flavored Markdown, dazu Obsidian-Callouts, Wikilinks und Bild-Embeds
OrdneransichtBaum des aktuellen Ordners mit Live-Aktualisierung und Filter beim Tippen
GliederungAlle Überschriften als Baum, ein Klick springt zur Stelle
NavigationZurück/Vor wie im Browser, klickbare Pfadleiste, funktionierende Links zwischen Dokumenten
DunkelmodusFür Oberfläche und Dokument, Druck und PDF bleiben bewusst hell
Eigenes AussehenEine user.css legt sich über das eingebaute Stylesheet
Auto-ReloadÄndert ein anderes Programm die offene Datei, lädt mdVü sie neu, die Scrollposition bleibt erhalten

Offline und still

mdVü enthält keinerlei Netzwerkcode. Keine Telemetrie, keine Update-Abfragen, kein Konto. Die Dokumente verlassen den Rechner nie.

Das ist nicht nur ein Versprechen: Vor jedem Release prüft ein Skript die DLL-Importe der EXE gegen eine versionierte Liste. Würde sich über eine neue Bibliothek unbemerkt eine Netzwerk-DLL einschleichen, fiele das vor dem Signieren auf. Jede veröffentlichte EXE ist code-signiert, und zu jedem Release stehen die SHA-256-Prüfsumme und der VirusTotal-Bericht auf der Release-Seite.

Ein Hinweis zu Windows SmartScreen: Bei einem frisch veröffentlichten Programm kann trotz gültiger Signatur noch eine Warnung erscheinen. Die verschwindet erst, wenn die Signatur genug Downloads und damit „Reputation“ gesammelt hat. Auch dabei hilft jeder Tester.

Ich suche Betatester

mdVü ist kostenlos und hat intern schon viele Tests hinter sich. Aber meine eigenen Dateien kenne ich, und genau deshalb brauche ich eure:

  1. Die aktuelle Version von der Release-Seite auf GitHub laden.
  2. Mit den eigenen Markdown-Dateien ausprobieren: Notizen, Dokumentationen, lange Texte, Tabellen, alles.
  3. Was hakt, fehlt oder sich falsch anfühlt, als Issue auf GitHub melden. Für Absturzprotokolle oder alles, was nicht öffentlich sein soll, geht auch eine Mail an mdView@outlook.de.

Voraussetzung ist Windows 10 oder 11. Das Handbuch steckt im Programm (F1) und liegt ausführlicher im Repository.

Ich freue mich über jede Rückmeldung, gerade jetzt, solange sich noch alles leicht ändern lässt.